In einem kleinen Dorf in der Nähe von Sassari entdeckte ein Gruppe Touristen im Herbst 2017 einen Hund, der mehr tot als lebendig war. Das Häufchen Elend war klapperdürr, nur noch Haut und Knochen, von Würmern und anderen Parasiten übersät. Glücklicherweise schauten die Touristen nicht weg, sondern meldeten ihren traurigen Fund. Der arme Kerl kam in die Tierklinik nach Sassari, wo man sich auch viel Mühe gab, ihn zu retten. Es dauerte mehrere Monate, in denen der Hund um sein Leben kämpfte, bis man endlich sagen konnte, dass er über den Berg sei. Und weil er ein bisschen wie einer dieser Wildhunde aussieht, hatte man ihm auch den entsprechenden Namen gegeben: Dingo.
Kurz vor Weihnachten sandte uns unsere Kollegin aus Sassari die ersten Bilder von Dingo, und wie man sich vorstellen kann, waren auch wir zutiefst berührt von seinem Schicksal. Im Frühjahr kam dann die Frage an uns: Können wir versuchen, für Dingo ein Zuhause zu finden? Oder muss er den Rest seines Lebens in einem Canile dahinvegetieren? Denn das ist der normale Ablauf, wenn ein herrenloser Hund aus der Tierklinik entlassen werden kann und niemand da ist, der ihn adoptiert ...
Uns war klar, dass es kein Leichtes sein würde, Dingo zu vermitteln. Aber ihn auf Nimmerwiedersehen in ein Canile abschieben lassen, und das, nachdem er sich mühsam ins Leben zurückgekämpft hatte? Glücklicherweise erklärte sich unsere Kollegin bereit, ihn erst einmal aufzunehmen. Im März 2018 lernten wir Dingo persönlich kennen, und im Mai - anlässlich unserer Projektreise - lernte ihn dann auch die Gruppe kennen.
Wir alle fragen uns: Was muss dieser Hund erlitten haben, bis er in den Zustand gekommen war, in dem man ihn gefunden hatte? Und wie schafft es ein Hund, der so viel Leid und Schmerz und sicherlich auch Misshandlung erfahren hat, dann so freundlich und lieb mit Menschen zu sein und nur ihre Nähe zu suchen? Er möchte einfach nur dabei sein und Liebe spüren.
Auch wenn Dingo nun inzwischen Gewicht zugelegt hat, sich sein Fell erholt und die schlimmsten Wunden, die durch Entzündungen und massiven Parasitenbefall entstanden waren, so weit wie möglich verschlossen wurden: Dingo ist nicht das, was man einen "schönen Hund" nennt. Aber kommt es denn nur auf Äußerlichkeiten an? Wir meinen nein. Dingo ist ein wunderbarer Kerl, eine Seele von einem Hund, der einem seine ganze Zuneigung schenkt.
15. September 2018:
Der wunderbare Dingo durfte vor kurzem auf seinen deutschen Pflegeplatz reisen. Zu seinem endgültigen Glück fehlt ihm nur noch die eigene Familie, auf die er sehnsüchtig wartet.
03. Januar 2019:
Dingo hat sich toll auf seiner Pflegestelle eingelebt und kommt mit allen Zwei- und Vierbeinern wunderbar zurecht. Er zeigt sich als kleiner Charmeur und genießt die Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten. Dank der Medikation geht es ihm wunderbar, er genießt sein neues Leben in Freiheit in vollen Zügen und dankt es mit viel Zuneigung.
Monika Besenhardt hat das tolle Kerlchen kürzlich in Szene gesetzt. Bei ihrem ehrenamtlichen Fotoshooting (ganz lieben Dank dafür) begegnete Dingo ihr sehr offen und neugierig und holte sich natürlich auch direkt seine Streicheleinheiten ab.
14. Juni 2019:
Eigentlich dachten wir, dass Dingo als Gnadenbrothund bei seiner Pflegestelle bleiben wird, da er ja doch so einiges "mit im Gepäck" hat: Er ist Leishmaniose positiv und hat eine stark vernarbte Schnauze, die durch die verkürzte Lefze oftmals röchelnde Geräusche verursacht. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine Vermittlung...
Doch Dingos Schicksal meinte es gut mit ihm, so hatte sich eine örtliche Tierschützerin gemeldet, die auf der Suche nach einem alten Hund war. Sie hatte ihn besucht und schnell stand fest, dass er schon bald umziehen wird :-) Nun lebt er mit Frauchen und Herrchen in Ettmannsdorf, nicht weit entfernt von seiner Pflegestelle. Dort kann er Haus und Garten sein Eigen nennen und sich (aktuell noch) als Einzelprinz verwöhnen lassen. Wenn es sich ergibt, soll ggf. noch ein weiterer alter und bedürftiger Hund eine Chance bei dem tierlieben und engagierten Ehepaar erhalten. Wir freuen uns sehr, dass Dingo doch noch eine Chance bekommen hat und seine letzten Jahre bei einer eigenen Familie verbringen darf.