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Agata (30.07.)


Während unserer monatlichen Sardinientour besuchten wir im Juli 2018 auch wieder das Rifugio der LIDA in Olbia. Marco hatte schon angekündigt, dass sie überschwemmt würden mit Neuzugängen und nun inständig auf unsere Hilfe hoffen. Wir können natürlich auch keine Wunder vollbringen. Zwar sind wir schon sehr belastbar, und versuchen, so viel wie möglich zu helfen, damit das Elend, die qualvolle Enge, der unendliche Stress für die Hunde und Katzen nicht noch schlimmer wird. Aber auch unsere Kapazitäten sind eben leider begrenzt.

Zu den Neuzugängen, die Marco uns ans Herz legte, gehören aber nicht nur Welpen, sondern auch erwachsene, ältere und Handicap-Hunde. Zwei von ihnen sind Alice und Agata. Die beiden wurden gemeinsam von Touristen gefunden. Sie waren in erbärmlichem Zustand, als sie ins Rifugio kamen. Nicht nur, dass sie völlig ausgemergelt und am Ende ihrer Kräfte waren, Agata, die ältere der beiden Hündinnen, ist zudem blind. Beide haben sicherlich auch schon mal Welpen zur Welt bringen müssen. Wahrscheinlich haben sie bis vor einiger Zeit bei einem Schäfer gelebt, der sie dann, als sie ihm nur noch zur Last fielen, davon gejagt hat. Denn in dieser schlimmen Verfassung, vor allem als blinder Hund, ist kein langes Überleben auf Sardiniens Straßen möglich.

Was den beiden Hündinnen wiederfahren ist, was ihnen vielleicht auch noch während der Zeit, die sie ziellos umhergeirrt sind, angetan wurde, können wir nicht sagen. Fakt ist aber, dass Alice sehr verängstigt und schreckhaft ist. Sie braucht nun Menschen, die ihr mit viel Liebe und Geduld Geborgenheit und Sicherheit geben, damit sie Vertrauen fassen kann.

Agata ist deutlich mutiger, trotz ihrer Blindheit. Für die schon ältere Hundedame suchen wir eine Familie, die sie mit ihrer Blindheit akzeptiert und ihr ein sicheres Umfeld schafft, in dem sie sich gefahrlos bewegen und endlich glücklich werden kann.

03. November 2018:
Die bezaubernde Agata durfte vor kurzem auf ihren deutschen Pflegeplatz reisen. Zu ihrem endgültigen Glück fehlt ihr nur noch die eigene Familie, auf die sie sehnsüchtig wartet.

11. Dezember 2018:

Agata ist zwar blind, aber keinesfalls dumm. Sie bewegt sich draußen sehr sicher, natürlich an der Leine, und man kann erkennen, dass sie hier Erfahrung hat noch im sehenden Zustand. Im Haus tut sie sich etwas schwerer, was aber nicht heißt, dass sie sich nicht zurecht findet. Sie erkundet alles mit dem Kopf und hört, was passiert. Anfangs reagierte sie sehr verunsichert, was ja mehr als verständlich ist. Die Tendenz war jedoch so, dass sie täglich ruhiger wurde und somit auch lenkbarer. In ihrem Zuhause wäre es natürlich nötig, ihr genau zu zeigen, wo ihre Plätze sind und die Wege dorthin, aber sie sucht sich dann alles weitere durch eigene Erkundigungen zusammen und hat keine Berührungsängste. An der Stubenreinheit muss noch gearbeitet werden.

Sie hat auf jeden Fall begriffen, wie es aussehen soll. Die Regelmäßigkeit der Übung und die Sicherheit in ihrer neuen Umgebung werden alles gut werden lassen. Denn insgesamt ist sie eine solch lebensfrohe Hündin, die sich nicht selbst bedauert, sondern aktiv versucht, das Beste aus ihrer Situation für sich zu machen. Hierfür sucht sie einen lieben Menschen, der für sie sieht, aber alles andere mit ihr machen möchte, was das Leben bereichert.

Sie läuft perfekt an der Leine und ist auch bei Begegnungen mit anderen Hunden nicht aggressiv. Sie frisst sehr gerne. Vielleicht ein paar Labradorgene. Diese sorgen ja nicht nur für einen guten Appetit, sondern auch für einen ausgeglichenen Charakter. Sie schmust und lässt sich gerne durchkuscheln. Nachts ist sie am liebsten in einem großen Körbchen.

Agata gehört nicht zum alten Eisen, sondern sie ist eine lebenserfahrene Hündin, die nicht auf ihre Blindheit reduziert werden möchte. Sie möchte noch viel geben. Das zeigt sie jeden Tag auf ihrer Pflegestelle mit ihrer Lebensfreude. Sie träumt sicherlich von einem eigenen Zuhause und ihrem oder ihren Menschen, wo sie liebe- und verständnisvoll umsorgt wird, damit sie sich geborgen fühlen und die hilflose Zeit auf der Straße vergessen kann. Erfahrungen mit einem blinden Hund können dabei von Vorteil sein, sind bei Agata aber keine Grundvoraussetzung. Sie bringt ihre Lebenserfahrung mit ein und hilft dadurch sehr, ein Zusammenleben einfach passend zu machen.

05. April 2019:

Agata hat ihre neue Welt nahezu im Sturm erobert. Sie sieht nichts mehr, aber sie erkundet alles auf ihre eigene Weise. Ihre Lebenserfahrung, wohl auch noch mit sehenden Augen, ist ihr hierbei eine wertvolle Hilfe, ebenso natürlich ihr Gehör. Ob sie nun mit ihren Freundinnen auf das Sofa mit dem Hundekörbchen steigt oder den Weg zum Ausgang findet, alles sieht gekonnt und in keinster Weise nach Beeinträchtigung aus. Sie testet alles aus, merkt sich Entfernungen, Ecken und Kanten wird jeden Tag sicherer in ihrem gesamten Verhalten. Auch die anfängliche Schreckhaftigkeit bei Begegnungen mit fremden Artgenossen hat sich nahezu völlig abgelegt, da sie bereits gelernt hat, dass sie nicht mehr angegriffen wird. Die gemeinsamen Spaziergänge sind für sie das Allergrößte, sie hält sich mit Vorliebe draußen auf, schätzt aber auch sehr das Leben im Haus mit seinen Annehmlichkeiten. Agata meistert Suchspiele mit einer Hilfsfährte oder rein nach Gehör prima und hat viel Spaß dabei. Sie genießt jede Zuwendung und freut sich unbeschwert über jede Aufmerksamkeit.

Für diese zauberhafte Hündin wünschen wir uns nun einen Platz bei lieben Menschen, die ihre Stärken und ihren liebeswerten Charakter zu schätzen wissen und sie weiterhin fordern und fördern. Sie steckt voller Lebensmut und würde mit ein wenig Anleitung eine wundervolle Partnerin auf vier Pfoten abgeben. Auch über einen weiteren Hund im Haushalt würde sie sich freuen.

30. Juli 2019:
Unsere tolle Agata hat es nun endlich geschafft und durfte ihre Köfferchen packen. Ihr Pflegefrauchen brachte sie ins neue Zuhause nach Bayreuth um ihr in der neuen Umgebung etwas zu helfen sich zurecht zu finden. Sie wohnt nun als Einzelprinzessin in einem familiengeführten Hotel. Frauchen hatte bereits einen tauben Hund aus dem Tierschutz ein Zuhause gegeben und als dieser leider über die Regenbbogenbrücke gehen musste, war klar, es soll wieder ein "Handycap-Hund" einziehen. So begab sich Frauchen auf die Suche und als sie die hübsche Maus erspähte war sofort klar, SIE IST ES! Als Agata auch sofort gut mit der neuen Umgebung zurecht kam, war klar, dass sie für immer bleiben darf. Nach den ersten Rückmeldungen zufolge läuft alles mehr als gut. Agata darf jeden Tag mit Frauchen an der Rezeption verweilen und alle Gäste (Zwei- wie Vierbeiner) begrüßen. Und in der Pause geht es ab in den großen Park, der zum Hotel gehört ;-) Wir möchten uns ganz herzlich bei Agata`s Frauchen bedanken, dass sie sich bewußt für einen Hund entscheiden hat, der ein Handycap hat. Solch besondere Happy Ends lassen bei uns ein Freudentränchen purzeln :)
 
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