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Michelino (06.04.)


Während unserer Sardinientour Anfang Juni 2019 besuchten wir natürlich auch das Rifugio der LIDA in Olbia, wo wir schon sehnsüchtig erwartet wurden. Denn es gab einige Neuzugänge, und zwar wie immer viele Welpen, denen wir helfen sollen, nicht ihr ganzes Leben in der stressigen Enge und dauernden Unruhe verbringen zu müssen, sondern bald gute Zuhause bei lieben Familien zu finden. Aber auch "schwierige Fälle" wie Ambra, Dina und Michelino, denen wir ebenfalls gern helfen möchten.

Einer dieser „schwierigen“ bzw. ganz besonders erschütternden Fälle ist Michelino. Er war Mitte Mai in der Campagna gefunden worden, in ganz erschreckendem Zustand: Er hatte sich in einer Schlinge, wie sie von Jägern ausgelegt werden, verheddert. Und bei seinen Versuchen, sich zu befreien, hatte sich die Schlinge immer enger zugezogen und ihn halb durchschnitten … Was muss dieser Hund an Schmerzen erlitten haben? Wie verzweifelt muss er gewesen sein? Als man ihn fand, ging es ihm schon sehr, sehr schlecht. Vielleicht hatten auch schon andere Tiere, wie etwa Wildschweine, versucht, sich ihm zu nähern und ihn zu töten. Aber das haben zwei jüngere Hunde (Tomaso und Uriel) verhindert. Vielleicht waren sie schon vor dem schlimmen Ereignis als Trio unterwegs. Wir wissen es nicht. Aber was wir wissen, ist die Tatsache, dass diese beiden Hunde neben Michelino Wache gehalten haben. Sie haben alles und jeden vertrieben, der sich nähern wollte. Zehn Tage lang versuchten Helfer, Michelino zu retten. Erst dann gelang es. Denn da waren Michelino und auch die beiden Wächter-Freunde schon am Ende ihrer Kräfte, so dass die beiden eingefangen und gemeinsam mit Michelino ins Rifugio in Sicherheit gebracht werden konnte.

Im Ambulatorio des Rifugio wurde Michelino sofort untersucht, und das ganze Ausmaß seiner lebensbedrohlichen Verletzung wurde sichtbar. Die Schlinge hatte ihn wirklich halb durchgeschnitten, seine Organe waren verschoben, sein Penis war aus dem ihn normalerweise umschließenden Hautsack herausgedrückt worden. Dicker Eiter zeugte von der massiven Entzündung, die sich schon weit ausgebreitet hatte. Beim Anblick von Michelino konnte man einfach nur noch weinen.

In einer drei Stunden dauernden Operation wurde Michelino von der Schlinge befreit. Seine Organe wurden wieder an die richtigen Positionen zurückgebracht, der Penis konnte wieder in die Vorhaut zurückgeführt werden. Und dann konnte die riesige Wunde, bis auf Drainageöffnungen, Schicht für Schicht geschlossen werden. Michelino wird nun noch einige Zeit brauchen, um sich von seinen schweren Verletzungen, die ihn beinahe getötet hätten, zu erholen. Aber langsam, langsam geht es aufwärts.

Als ich Michelino kennenlernen durfte, trug er noch den Plastikkragen, damit er auf keinen Fall an seiner Wundnaht lecken oder gar knabbern kann. Das könnte verheerende Folgen haben. Aber bald wir er sicherlich ohne den Schutzkragen auskommen, und dann wird er sich auch wieder deutlich wohler fühlen.

Michelino hat – abgesehen von seinem Martyrium in der Schlingenfalle - auch in seinem Leben, das er als Streuner auf der Straße und wahrscheinlich immer auf der Flucht vor Menschen verbringen musste, nicht viel Gutes erleben dürfen. Das möchten wir nun ändern. Wir suchen für ihn nun die Familie, die bereit ist, Michelino mit viel Geduld und Liebe zu zeigen, dass es auch gute Menschen gibt, denen er vertrauen darf und die ihm helfen, ein glückliches und hoffentlich noch langes Hundeleben zu führen. Hilfreich wäre, wenn seine neue Familie schon über Erfahrung im Umgang mit der wunderbaren Rasse der Maremmani hätte oder zumindest bereit ist, sich mit dem Wesen der Herdenschutzhunde vertraut zu machen und die Empfehlungen umzusetzen.

25. Oktober 2019:

Bei unserem letzten Besuch wurde uns Michelino erneut vorgestellt. Seine schlimmen offenen Wunden sind größtenteils verheilt, auch ist das Fell schön nachgewachsen. Ein paar kleine Stellen müssen noch komplett abheilen. Er zeigte sich sehr schüchtern, auch ist er vermutlich sehr gestresst, da er aktuell in einem engen Durchgang sitzt, in dem er nie zur Ruhe kommen kann. Wir hoffen sehr, dass wir ihn dort schnellstmöglichst rausholen können, doch dafür fehlt uns leider ein Pflege- oder Endplatz.

09. November 2019:
Michelinos und unser Wunsch hat sich glücklicherweise erfüllt. Er hat eine Pflegefamilie gefunden und durfte nach Deutschland reisen.

21. Dezember 2019:

Der wunderschöne Michelino hatte das große Glück, in eine Pflegefamilie gekommen zu sein, die ihm alle Zeit gibt, die er braucht, um anzukommen, sich zurechtzufinden und aufzutauen!

Das vorhandene Hunderudel erleichtert ihm noch dazu den Einstieg ins neue Leben immens, er schaut sich vieles bei seinen Hundekumpels ab und lernt, was es bedeutet, Sicherheit zu erfahren und zu vertrauen.

Michelino entwickelt sich für das, was er in der Vergangenheit erfahren musste, unheimlich schnell, wir können alle nur staunen und uns daran erfreuen. Er ist inzwischen stubenrein, fährt problemlos im Auto mit, läuft schon ganz passabel an der Leine und genießt die Streifzüge durch die Natur und das Laufen mit seinen Artgenossen sehr.

Streicheleinheiten von Pflegefrauchen und -herrchen genießt er und auch von Fremden lässt er sich nach kurzer Begutachtung kraulen. Seine Pflegefamilie hat ihm einen eigenen Blog erstellt, wo Sie seine Entwicklung detailiert nachlesen und daran teilhaben können: https://michelino.home.blog/

Wir wünschen uns für diesen wunderbaren Kerl ein verständnisvolles, bedachtes und eher ruhiges, ländliches Heim, idealerweise mit einem bereits vorhandenen Hund, an dem sich Michelino orientieren kann.

06. April 2020:
Unser hübscher Michelino musste ein wenig länger warten, bis das passende Zuhause für ihn gefunden war. Diese Zeit hat seine Pflegfamilie genutzt und wertvolle Arbeit geleistet, so dass der Kerl wichtige Grundsteine für sein neues Leben mitbekommen hat – an dieser Stelle ein großes Dankeschön! Michelino, der nun Scotty heißt, lebt jetzt im ruhig und ländlich gelegenen Steinhagen in einem Haus mit großem Garten. Frauchen und Herrchen arbeiten zwar beide, aber ganz alleine bleiben muss Scotty nie, denn es gibt eine bereits vorhandene, souveräne Hündin, die Scotty in allen Bereichen gut tut. Ersten Berichten zufolge läuft es sehr gut, Scotty hat sich entspannt eingelebt und seine Familie führt ihn liebevoll und mit Geduld an alle neuen Herausforderungen heran.

Das freut uns wirklich sehr und so wünschen wir allen zusammen eine glückliche gemeinsame Zeit!


 
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