Im März 2021, zu Zeiten strenger Corona-Maßnahmen, waren Tierschützerinnen auf eine schlimme Situation bei einem Jäger gestoßen: Zwei unglaublich freundliche Hündinnen waren in einem völlig vermüllten Minigehege eingesperrt, ein sehr scheuer Rüde lief frei auf dem mit Gerümpel übersäten Grundstück herum. Die ersten Bilder, die uns erreichten, ließen uns die Tränen in die Augen steigen, obwohl wir solche Anblicke ja fast schon gewöhnt sein müssten. Denn oft werden insbesondere Jagdhunde unter wirklich extrem erbärmlichen Bedingungen gehalten. Für die Leute dort „normal“, denn die Hunde sind ja nur zum Arbeiten da und nützlich auch nur während der Jagdsaison. Die restlichen Monate sind sie „unnütze Fresser“ …
Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen und soweit Kontakt möglich waren, gelang es den Tierschützerinnen, leichte Lebensverbesserungen für die drei Segugi zu erreichen. Zunächst durften sie das Gehege säubern, sie brachten Futter, auch für den freilaufenden Rüden, der sich dann auch schon nach wenigen Tagen immer näher traute. Dann durften die Helferinnen mit den Hündinnen auch Spaziergänge unternehmen. Sie liefen perfekt an der Leine und genossen die Ausflüge sehr. Im nächsten Schritt konnten die Tierschützerinnen den Besitzer überzeugen, dass es gut für die Weibchen wäre, wenn sie sterilisiert würden. Er stimmte überraschenderweise schnell zu, wobei seine Entscheidung sicherlich dadurch unterstützt wurde, dass wir die Kastrationskosten bezahlten. Da wir nicht wollten, dass die beiden nach der OP unbetreut sind und sich in dem versifften Gehege eventuell die Operationswunden infizieren, wurden sie von den Tierschützerinnen privat in Obhut genommen. Immer wieder wurde der Besitzer gefragt, ob er die beiden nicht hergeben wolle, weil er sich doch gar nicht ausreichend kümmern könne … Aber er lehnte immer wieder ab, wollte seine Hündinnen zurückhaben.
Überraschenderweise wollte er dann aber den Rüden ganz schnell loswerden. Und da zögerten die Helferinnen natürlich nicht lange, sondern fingen ihn ein und brachten ihn sofort ins Rescue zu unseren Partnern.
Tja, und dann endlich, nach wiederholtem Nachfragen, informierte der Besitzer, dass der auch die Hündinnen nicht mehr haben wollte. Wir alle waren überglücklich über diese Entscheidung.
Und so kamen Xena und Nerinia, wie die beiden Hündinnen heißen, auch ins Rescue, wo sie nun wieder mit Arturo zusammenleben.
Arturo durfte auf seinen deutschen Pflegeplatz reisen. Zu seinem endgültigen Glück fehlt ihm nur noch die eigene Familie, auf die er sehnsüchtig wartet.
Wir wünschen uns nun für Arturo ein Traumzuhause für immer bei lieben Menschen, die ihm engen Familienanschluss bieten. Dass wir Arturo nicht in ein jagdliches Umfeld vermitteln, versteht sich sicherlich von selbst.
12. Juli 2021:
Arturo hat sich bereits gut in seiner Pflegestelle eingelebt. Es hat ein Weilchen gedauert, bis er Vertrauen zu seinem Pflegefrauchen gefasst hat, doch jetzt hat er schon eine gute Bindung und Körpernähe ist für ihn ganz wichtig. Auch mit der vorhandenen Hündin versteht er sich sehr gut.
Arturo lernt schnell, er benötigt einen geregelten Tagesablauf und Rituale, die er dann auch schnell umsetzt. Er kann bereits mehrere Stunden in Hundegesellschaft alleine bleiben, ist stubenrein und kein Beller. Wenn um ihn herum nichts los ist, geht er perfekt an der Leine und er lässt sich teils abrufen. Er liebt es, durch die Natur zu streifen und dabei folgt er gerne seinem Segugio-Näschen :)
Fremde Menschen und unbekannte Dinge oder Geräusche verunsichern ihn noch sehr. Diese Begegnungen versetzen ihn teils noch in eine starke Angst. Aber wir sind uns sicher, dass er mit der Zeit auch diese Hürde meistern wird. Fremden Hunden begegnet er sehr aufgeschlossen und freundlich, Katzen interessieren ihn nicht.
Für Arturo suchen wir einfühlsame und aktive Menschen mit Haus und Garten, die ihn mit etwas Geduld und viel Liebe auf dem Weg ins neue Leben begleiten. Kinder sollten schon älter sein, denn kleine Kinder, die auch mal spielen oder kuscheln wollen, wären ihm suspekt. Ein Zweithund, an dem er sich orientieren kann, wäre ideal.
Wenn Sie gerade auf der Suche nach einem neuen fellnasigen Familienmitglied sind und Ihnen bewusst ist, dass eine Adoption nicht nur viel Freude bedeutet, sondern auch Arbeit und große Verantwortung mit sich bringt, dann freuen wir uns auf Ihre Nachricht.
26. September 2021:
Arturo durfte heute in sein neues Zuhause umziehen. Besser hätte er es nicht erwischen können, denn er lebt nun mit Frauchen und Herrchen, die bereits im Juni unser Dreibeinchen Tessa (zu ihren drei weiteren Tierschutzhunden) adoptierten in Regensburg. Arturo hatte auf seiner Pflegestelle einen Unfall und hatte sich dabei beide Vorderpfoten gebrochen. Diese wurden operiert und mittlerweile ist er wieder gut "zu Fuß". Alles ist gut verheilt, er muss lediglich noch regelmäßig zur Physio, wobei ihn seine neuen Eltern gerne begleiten. Laut ersten Rückmeldungen hat er sich gut eingelebt. Die anfängliche Angst vor Herrchen legt er immer mehr ab und er versteht sich prima mit den vorhandenen Hunden. Vor allem mit Tessa wird gespielt und gekuschelt.
Wir freuen uns sehr, dass ein weiterer proTier-Schützling ein Traumzuhause bei ganz lieben Menschen gefunden hat, die ein sehr großes Tierschutzherz haben. Vielen Dank dafür!