Das Rifugio ist immer voll, ein Aufatmen kennen sie in der LIDA nicht. Die Touristensaison ist zwar vorbei, während der immer viele Tiere abgegeben werden, die von Touristen gefunden wurden. Aber die Hilferufe von Privatleuten, die ihre Tiere abgegeben wollen, nehmen wieder zu. Denn die wirtschaftlichen Probleme, in die viele Sarden durch die Corona-Maßnahmen geraten sind, sind noch lange nicht überwunden. Manche Tiere geben ihr Tier persönlich ab und bitten um Hilfe, manche stellen sie einfach im Karton vor das Tor der LIDA oder binden sie dort an. Und von den Helfern der LIDA werden natürlich auch weiterhin zahlreiche Streuner aufgelesen. Niemand wird abgewiesen, auch wenn man im Rifugio wie immer am Rande des Belastbaren ist.
Manola war aufgefallen, als sie sich in der Campagna westlich von Olbia herumtrieb. Von den wenigen Menschen, die dort ihre Häuschen haben, wusste keiner, woher sie gekommen war. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hatte man das kleine Hundemädchen einfach ausgesetzt, weit weg von ihrem Geburtsort, damit sie nicht wieder zurückfinden kann. Da nehmen die Leute weite Fahrten, meist bei Nacht, auf sich, um ihre unerwünscht geborenen Tiere irgendwo loszuwerden, statt sich z. B. mit Tierschutzvereinen in Verbindung zu setzen, die mit Sicherheit helfen würden, damit kein unerwünschter Nachwuchs mehr zur Welt kommt. Und für die schon geborenen Kleinen gäbe es auch gute Lösungen. Aber den stolzen Sarden fällt es meist schwer, über ihren Schatten zu springen ... Da überlassen sie lieber solch ein hilfloses Würmchen seinem Schicksal ...
Glücklicherweise nahm sich einer der Anwohner der Kleinen an und brachte sie ins Rifugio der LIDA. Dort ist das Hundemädchen, das nun Manola heißt, in Sicherheit und kann sich von den Strapazen erholen. Sie lebt gemeinsam mit Bibiana und Brigida in einem Käfig, und so können die drei zumindest ein bisschen miteinander spielen und kuscheln.
Aber das Rifugio ist kein Ersatz für ein richtiges Zuhause, und den Mitarbeitern fehlt bei der Menge der zu versorgenden Hunde und Katzen einfach die Zeit, jedem Tier die individuelle Zuwendung zu geben, die es brauchen würde.
08. Januar 2022:
Die süße Manola durfte aus Sardinien direkt in ihr Zuhause nach Köln ziehen. Sie wohnt nun bei einem jungen Paar, ganz in der Nähe des Rheins und der Kölner Poller Wiesen, einem schönen Auslaufgebiet für Hunde. Die beiden sind mit Hunden groß geworden und kümmern sich auch nach wie vor um die Fellnasen der Eltern. Der Wunsch nach einem eigenen Vierbeiner wurde mit der Adoption von Manola nun erfüllt. Frauchens erster Kommentar zu Manola war, dass sie noch süßer als auf den Fotos ist. Liebe auf den ersten Blick also. Die junge Hündin wird mit Frauchen und Herrchen die Hundeschule besuchen und wer weiß, vielleicht an deren Seite die Begleithundeprüfung ablegen. Bis es soweit ist, wird aber mit Nola, wie ihr Spitzname lautet, ganz viel gekuschelt und Vertrauen aufgebaut. Wir sagen Danke und wünschen viele schöne Jahre miteinander.