Das Rifugio ist immer voll, ein Aufatmen kennen sie in der LIDA nicht. Die Touristensaison ist zwar vorbei, während der immer viele Tiere abgegeben werden, die von Touristen gefunden wurden. Aber die Hilferufe von Privatleuten, die ihre Tiere abgegeben wollen, nehmen wieder zu. Denn die wirtschaftlichen Probleme, in die viele Sarden durch die Corona-Maßnahmen geraten sind, sind noch lange nicht überwunden. Manche Menschen geben ihr Tier persönlich ab und bitten um Hilfe, manche stellen sie einfach im Karton vor das Tor der LIDA oder binden sie dort an. Und von den Helfern der LIDA werden natürlich auch weiterhin zahlreiche Streuner aufgelesen. Niemand wird abgewiesen, auch wenn man im Rifugio wie immer am Rande des Belastbaren ist.
Eine Helferin der LIDA war auf das Schicksal des kleinen Hundes aufmerksam gemacht worden. Was sie vorfand, als sie zu dem Ort kam, der ihr genannt worden war, verschlug ihr die Sprache. Die sardischen Tierschutzhelfer sehen viel Elend, aber gelegentlich kommen sie in Situationen, die einfach unvorstellbar sind und man sie nur glaubt, wenn man sie selbst sieht. So auch hier: In einer völlig vergammelten Holzkiste saß regungslos ein Fellklumpen, der nur auf den zweiten Blick als lebender Hund erkennbar war.
Wie man sein Tier so verkommen lassen kann, ist uns völlig unverständlich. Was geht in solchen Menschen vor? Haben sie überhaupt noch einen Funken Mitgefühl? Uns trieb es jedenfalls die Tränen in die Augen, als wir diese Bilder sahen.
Es gab keine Widerstände, als die Tierschutzhelferin erklärte, dass sie den Hund mitnehmen würde. Man war froh, diesen nutzlosen Fellklumpen nun nicht mehr füttern zu müssen …
Der erste Weg führte in einen Hundesalon, um das arme Kerlchen von seiner unglaublich dicken, verdreckten Filzmatte, die auch voller Ungeziefer war, zu befreien. Zum Vorschein kam ein entzückender kleiner Yorkimann, der offensichtlich mehr als froh war, wieder Luft an seiner Haut zu spüren.
Bei der Tierschutzhelferin wird der Kleine, der auf den Namen Rudolph registriert wurde, bestens versorgt. Und er darf auch noch bei ihr bleiben, bis er seine Reise nach Deutschland antreten kann.
Möchten Sie Rudolph in Ihre Familie aufnehmen und ihm das Traumzuhause für immer schenken, das er nach seiner jahrelangen Leidenszeit wirklich verdient hat? Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.
22. Januar 2022:
Rudolph durfte auf direktem Wege von Sardinien kommend in sein neues Zuhause in Eisenberg einziehen. Dort lebt er nun bei einem liebevollen Rentnerpaar, das viel Zeit für den schüchternen Rudi hat und alles daran gibt, dass sich der Kleine wohl fühlt und das Leben genieße kann.
Frauchen und Herrchen hatten schon viele Jahre Hunde an ihrer Seite und freuen sich nun darauf, Rudi überall dabei zu haben: sei es zu ausgiebigen Spaziergängen, zum Arbeiten und Sonnen im Schrebergarten, zum Campen mit dem Wohnwagen oder zu Besuchen der Familie.
Für den kleinen Kerl wird bestens gesorgt und wir freuen uns, dass Rudi es so gut angetroffen hat!