Das Rifugio ist immer voll, ein Aufatmen kennen sie in der LIDA nicht. Es vergeht kaum ein Tag, an dem keine Tiere gefunden oder abgegeben werden. Nach wie vor sind die wirtschaftlichen Probleme, in die viele Sarden durch die Corona-Maßnahmen geraten sind, nicht überwunden. Manche Leute geben ihr Tier persönlich ab und bitten um Hilfe, manche stellen sie einfach im Karton vor das Tor der LIDA oder binden sie dort an. Und von den Helfern der LIDA werden natürlich auch weiterhin zahlreiche Streuner aufgelesen. Niemand wird abgewiesen, auch wenn man im Rifugio wie immer am Rande des Belastbaren ist.
Am 23.01.2022 wurden zwei Hundemädchen ins Rifugio gebracht. Sie waren die ersten beiden Hundekinder, die aus einer sehr schlimmen Situation herausgeholt werden konnten. Was sie im Einzelnen erlebt und erduldet haben, wissen wir nicht, aber die beiden waren völlig verängstigt und drückten sich nur zusammen in eine Ecke des Käfigs. Es war unmöglich, an sie heranzukommen. Eine gute Woche später konnten auch die beiden noch an dem Ort verbliebenen Schwestern eingefangen und ebenfalls ins Rifugio gebracht werden. Die beiden verhielten sich genauso: Regungslos, wie erstarrt, hockten sie im Käfig. Es war zum Herzzerreißen. Dass sie nun in Sicherheit waren, dass ihnen nichts Böses mehr passieren konnte, dass wussten sie ja nicht … Und niemand wagte eine Prognose, wie lange es dauern würde, bis die vier Mädchen sich entspannen und Vertrauen fassen würden. Über etliche Wochen war es schlicht unmöglich, ihnen näher zu kommen und sie zu streicheln. Erst ab Mitte März zeigten sich erste Veränderungen.
Am 25.03.2022 fragte dann Marco bei uns an, ob wir zweien der Mädchen, Chezia und Chinzia, helfen würden. Die beiden waren zwar immer noch etwas schüchtern, aber sie waren inzwischen soweit, dass man sie streicheln und auch auf den Arm nehmen konnte. Und wieder ein paar Tage später kam dann die Nachricht, dass sich auch Candore entspannen würde und sich streicheln ließe. Lediglich die vierte Schwester ist nach wie vor „Unberührbar“, aber wir hoffen natürlich, dass die Bemühungen der Canile-Helfer auch bei ihr irgendwann erfolgreich sein werden.
So stellten wir also erst einmal Chezia, Cinzia und Candore vor. Und dann, am 14. April 2022, kam die Nachricht, dass auch das vierte Geschwisterchen, die hübsche Coco, ihre anfängliche Panik überwunden hat. Von „zutraulich“ ist sie noch ein Stück entfernt. Aber so viel wie möglich beschäftigt sich eine Helferin mit ihr, und wir sind sicher, dass auch Coco auf gutem Weg ist.
Wir hoffen, dass wir für Chezia, Cinzia, Cadore und Coco bald die passenden Zuhause finden. Was sie brauchen, sind Menschen, die auf dem, was die Rifugio-Helfer schon erreicht haben, aufbauen. Menschen, die ihnen liebevoll die Sicherheit vermitteln, die sie brauchen, um ihre Ängste völlig zu überwinden und zu lebensfrohen Hunden zu werden.
09. Juli 2022:
Cinzia durfte auf ihren deutschen Pflegeplatz reisen.
25. Juli 2022:
Cinzia hat ein paar Tage gebraucht, bis sie sich in der neuen Welt zurechtgefunden hat, alles war zu Beginn so völlig anders und fremd. Aber schon nach ein paar Tagen konnte man sehen, wie sie neugierig wird
und sich für das Leben auf ihrer Pflegestelle interessiert.
Mit den vorhandenen Hunden kommt sie gut aus und geht jedem Streit aus dem Weg. Kinder, die schon standfest sind und ihre Bewegungen kontrollieren können, dürfen Cinzia anfassen, streicheln und kraulen, das findet sie toll.
Cinzias Pflegefrauchen bezeichnet diese Hündin als eine Seele von Tier -
sie ist unglaublich sanft, lieb und verschmust. Cinzia saugt Streicheleinheiten förmlich in sich auf und genießt die menschlichen Zuwendungen sehr. Sie ist in vielen Bereichen noch unsicher und schreckhaft, aber man kann sie mit Ruhe an alles heranführen und so lernt Cinzia schnell, neue
Dinge für sich einzuordnen. Beim Gassigehen (das Laufen an der Leine wird fleißig geübt) begegnet
sie anderen Hunden, fremden Menschen, Pferden und Schafen völlig gelassen. Starker Straßenverkehr ist ihr noch unheimlich, aber auch das wird stetig besser.
Aber in Cinzia steckt auch viel Energie, sie ist gerne aktiv und möchte vor allem die gute Nase auslasten! Menschen, die Freude daran haben, ihren Hund körperlich wie geistig zu fordern und fördern und auch schon ein wenig Hundeerfahrung mitbringen, wären bei der wunderschönen Cinzia genau an der richtigen Adresse.
19. August 2022:
Kürzlich wurden tolle Bilder von Cinzia gemacht, mit denen die hübsche Fellnase hoffentlich bald ihr Traumzuhause findet.
05. September 2022:
Cinzia hat ihr Zuhause in Uedem gefunden und hört nun auf den Namen Phibie. Ihr neues Frauchen hatte sich schon anhand der Fotos in die hübsche Hündin verliebt und beim Kennenlernen ist der Funke sofort übergesprungen. Phibie lebt nun in einem schönen Haus mit Garten und zwei weiteren Fellnasen und das Rudel hat sich bereits recht gut neu formatiert. Frauchen ist äußerst kompetent und versteht es, jedem einzelnen je nach Anlage gerecht zu werden. Alleinebleiben müssen die Drei nur selten, denn die erwachsenen Söhne helfen gerne bei der Betreuung aus. Wir freuen uns, dass Phibie es so gut angetroffen hat und wünschen allen zusammen viele schöne gemeinsame Jahre!