Das Rifugio ist immer voll, ein Aufatmen kennen sie in der LIDA nicht. Nach wie vor sind die wirtschaftlichen Probleme, in die viele Sarden durch die Corona-Maßnahmen geraten sind, nicht überwunden. Manche Leute geben ihr Tier persönlich ab und bitten um Hilfe, manche stellen sie einfach im Karton vor das Tor der LIDA oder binden sie dort an. Und die Touristensaison läuft auf Hochtouren … es vergeht daher kaum ein Tag, an dem keine Tiere gefunden und abgegeben werden. Außerdem werden von den Helfern der LIDA ebenfalls zahlreiche Streuner aufgelesen. Niemand wird abgewiesen, auch wenn man im Rifugio wie immer am Rande des Belastbaren ist.
Aktuell ist die Situation besonders dramatisch: Wie auch unsere anderen Partner wird das Rifugio der LIDA überschwemmt mit Hunde- und Katzenbabys. Die meisten von ihnen weggeworfen wie Müll. Die Partner in der LIDA und auch wir fragen uns immer wieder: Was sind das für Menschen, die so etwas tun? Es gibt so viele Hilfsangebote, nicht zuletzt auch von uns, Trächtig- keiten und damit dieses unbeschreibliche Elend zu verhindern. Aber man ist zu stolz, um Hilfe zu bitten. Das hat man noch nie gemacht. Kastrationen sind wider die Natur. Nicht von Gott gewollt. Keine Zeit, zum Tierarzt zu fahren. Wenn ich die zum Tierarzt bringen muss, macht sie mir das Auto schmutzig. Die Litanei der Ausreden ist ellenlang, und wir können sie bald nicht mehr hören.
So hatte auch dieses kleine Hundemädchen unglaubliches Glück: Es wurde von Touristen aus Bologna bei einer Wanderung gefunden – mitten im Nirgendwo. Die Kleine war völlig dehydriert und halb verhungert … wer weiß, wie lange sie dort schon gelegen hatte. Mutterseelenallein. Wie kann man nur so mit einem hilflosen Baby umgehen? Auch wenn wir schon so viele Jahre auf Sardinien aktiv sind, an dieses verantwortungslose, herzlose Verhalten werden wir uns nie gewöhnen.
Es war buchstäblich 5 vor 12 für die Kleine, als sie am 22.06.2022 völlig geschwächt im Rifugio ankam. Sie war so dankbar für die Fürsorge, die man ihr sofort angedeihen ließ. Sie genoss dass gute Futter, und die LIDA-Mitarbeiter waren glücklich mitzuerleben, wie gut sie sich erholte. Lordina, wie die Kleine nun heißt, hat sich zu einem sehr hübschen Hundemädchen gemausert. Zudem ist sieäußerst lieb, freundlich und anhänglich.
Wir wünschen uns nun sehr, dass Lordina sich weiterhin gut entwickelt und dass sie ihr Käfigdasein bald hinter sich lassen und ihre Reise nach Deutschland antreten kann. Hier soll Lordina dann ihre Menschen finden, die ihr ein Traumzuhause schenken und sie an allen familiären Aktivitäten teilhaben lassen.
03. September 2022:
Lordina durfte auf ihren deutschen Pflegeplatz reisen.
16. September 2022:
Lordina hat das Glück, auf ihrer Pflegestelle bleiben zu dürfen und lebt fortan in der Altmärkischen Höhe in einem schönen Haus mit großem Garten bei einer vierköpfigen Familie. Lordinas Frauchen hat gerade als Pflegestelle bei proTer e.V. begonnen
und sich die junge Hündin als Pflegling ausgesucht, mit der Option, dauerhaft zu bleiben, wenn Lordina mit den jungen Kindern und der vorhandenen Hündin zurecht kommmt. Schnell war klar, dass es von allen Seiten passt und auf Lordina warten nun viele schöne Ausflüge in die Natur, vor allem aber auch ausgiebiges Toben auf dem riesengroßen Grundstück. Wir freuen uns, dass Frauchen den Verein auch weiterhin als Pflegestelle unterstützt und wünschen Lordina und ihrer Familie, dass sie schnell als gutes Team zusammenwachsen.