Nach einem Jahr war es Ende Oktober 2021 endlich wieder soweit: Eine kleine Gruppe unseres Teams machte sich auf zur gemeinsamen Projekttour. Zweite Station unserer Arbeitsreise war Stintino, wo uns unsere Partner schon sehnsüchtig erwarteten. Zum einen freuten wir uns natürlich darauf, unsere "alten Bekannten" wiederzusehen, zum anderen gab es einige Neuzugänge, die wir kennenlernen wollten.
Die hübsche Hundedame Lolita, wie sie jetzt genannt wird, hatte riesiges Glück gehabt: Sie hatte, nachdem ihr Besitzer verstorben war, mehrere Jahre als Streunerin in der Umgebung von Tresnuraghes gelebt. Sie ernährte sich von dem, was die Leute auf die Straße warfen, es war ein karges Dasein. Tierschützer hatten auch schon mehrfach versucht, sie einzufangen, aber sie kannte viele Verstecke und entzog sich immer wieder den Fangversuchen. Sie hatte kein Vertrauen zu den Menschen. Sie war dann auch wieder trächtig, brachte im Juli ihre Welpen zur Welt, die von Anwohnern aber getötet wurden, bevor die Tierschützer eingreifen konnten. Die Schwangerschaft und die Geburt hatten ganz besonders an den Kräften der Hündin gezehrt, und so gelang es schließlich, sie einzufangen. Und das einen Tag bevor die verheerenden Brände, die im Juli über die Insel tobten, das Gebiet verwüsteten, in dem Lolita gelebt hatte … Wer weiß, ob sie das überlebt hätte …
Die Tierschützer hatten schon zuvor Kontakt zu unseren Partnern aufgenommen und angefragt, ob die Hündin aufgenommen werden könnte, sobald man ihrer habhaft würde. So konnte Lolita sofort ins Rescue gebracht werden, wo sie dann zur Ruhe kommen konnte. Sie genoss die Sicherheit, und dass es nun regelmäßig Futter gab, gefiel ihr sehr. Anfangs war sie noch sehr zurückhaltend, aber wir wissen ja auch nicht, was sie in ihrem bisherigen Leben erdulden musste. Als Segugia hat sie mit ziemlicher Sicherheit ihr Leben in einem verdreckten Zwinger verbracht und hatte ein entsprechend karges Dasein erdulden müssen. Ihre ausgeprägten Zitzen lassen auch darauf schließen, dass sie schon in früheren Jahren als Gebärmaschine missbraucht worden ist.
Für die nette Lolita wünschen wir uns, dass sie bald ihre Reise nach Deutschland antreten darf, um hier ihr Traumzuhause zu finden bei lieben Menschen, die ihr engen Familienanschluss schenken möchten und sie vergessen lassen, was sie alles erleiden musste. Dass Lolita nicht in ein jagdliches Umfeld vermittelt wird, versteht sich sicherlich von selbst.
03. September 2022:
Lolita durfte auf ihren deutschen Pflegeplatz reisen.
06. Oktober 2022:
Lolita lebt nun in Wenzendorf bei seinem neuen Frauchen und ihrem kleinen Sohn in einem Haus mit Garten. Er wohnt ländlich im Dorf und nebenan wohnen die eigenen Ponys. Die kleine Familie hatte immer zwei Hunde und einer der Fellnasen ist altersbedingt verstorben und der ältere Hund brauchte wieder eine ältere Weggefährtin, denn er trauerte sehr. Und so hat die liebe Lolita das große Los gezogen und ihr Traum von einem eigenen Zuhause, in dem sie viel Liebe erfährt, hat sich erfüllt. :)