Die Situation auf Sardinien wird immer schwieriger. Alle unsere privaten Auffangstationen sind schon randvoll, und unsere Partner-Canili verzeichnen auch täglich Neuzugänge. Und sie helfen, obwohl auch sie längst ihre Kapazitätsgrenzen erreicht oder schon überschritten haben. Aber welchem Tier in Not sollen sie denn die Aufnahme verweigern? Wen sollen sie wegschicken und einem vermutlich traurigen Schicksal überlassen?
Also hoffen sie auf unsere Hilfe, dass wir Familien für all die Tiere finden, die jetzt in überfüllten Gehegen und in Käfigen hocken.
Einer der Neuzugänge ist der schöne Giove. Er stammt aus ganz üblen Verhältnissen, hat in seinem Leben bislang nicht viel Gutes erfahren. Glücklicherweise hat Giove sich aber sein freundliches Gemüt bewahrt und ist offen für Neues. Seine Fellzeichnung scheint zu sagen: „Seht her, ich trage mein Herz ganz offen. Schenkst du mir dein Herz und nimmst mich in deine Familie auf?“
Was Giove nach seiner schlimmen Vergangenheit bräuchte, wäre natürlich viel menschliche Zuwendung. Aber angesichts der riesigen Anzahl an Hunden und Katzen, die aktuell im Rifugio untergebracht sind, ist das nicht zu leisten. Die Mitarbeiter sind sehr bemüht, aber für mehr als ein paar kurze Streicheleinheiten und freundliche Worte bleibt ihnen keine Zeit.
Deshalb soll das Rifgugio auch für Giove nur eine Zwischenstation in seinem Leben sein. So schnell wie möglich möchten wir Giove nach Deutschland reisen lassen, damit er bei lieben Menschen ein neues Leben in familiärem Umfeld beginnen kann. Rassetypisch ist er sehr agil, deshalb wäre eine aktive Familie, die viel mit ihm in der Natur unternimmt und ihn durch interessante Suchspiele fordert und fördert, ideal für ihn.
07. Juli 2024:
Während unserer Projekttour Ende Juni 2024 wollten wir einige der Hunde wiedersehen, die schon länger auf unserer Webseite präsent sind. Dazu gehörte auch der schöne Segugio Giove.
Wir entdeckten ihn dann auch gleich, als wir Hund Enzo fotografierten. Und es stimmte uns auch sehr traurig, dass auch er in dem neuen Gehege an der zweiten Piazza, wo auch die Welpen tagsüber in ihren Rondells toben, untergebracht war.
Dieses Gehege hat keinen Freilaufbereich, ist auch nicht besonders groß, sondern mit ca. 15 Hunden eigentlich total überfüllt. Außerdem herrscht dort
immense Unruhe und extreme Lautstärke, was die Hunde recht nervös macht. Aber angesichts der Gesamtzahl der Rifugio-Insassen gibt es auch kaum Alternativen. Glücklicherweise sind alle Hunde in dem Gehege recht verträglich, aber es tut schon weh, die Hunde so zusammengepfercht zu sehen.
Man merkt Giove auch an, dass ihm diese drangvolle Enge zu schaffen macht und dass er dringend mehr menschliche Zuwendung bräuchte. Er ist recht schüchtern, bedingt auch durch seine traurige Vorgeschichte, aber lieb, und es wäre wichtig für ihn, in einem familiären Umfeld leben zu dürfen, um sich entspannen zu können.
20. August 2024:
Zwei unserer Teamkolleginnen machten sich Mitte August spontan auf den Weg nach Sardinien, um unsere Schützlinge persönlich kennenzulernen und zu fotografieren.
Sie besuchten auch Giove, der mittlerweile in ein ruhigeres Gehege umgesetzt wurde, was ihm sichtlich gut tat. Er zeigte sich sehr anschmiegsam und schmusebedürftig, war keineswegs aufdringlich - ein wahres Seelchen von Hund. Er hat einen zauberhaften Charakter und ist ein ganz feiner Kerl.
31. August 2024:
Giove durfte auf seine deutsche Pflegestelle reisen.
14. September 2024:
Unser Langohr Giove zeigt sich in seiner Pflegestelle als ganz liebe und freundliche Fellnase. Er versteht sich gleichermaßen gut mit den Menschen wie auch mit dem vorhandenen Hund im Haus. Seine hohe soziale Verträglichkeit bringt er genetisch mit sich.
Giove nähert sich neuen Situationen mit Bedacht, aber neugierig. Der schöne Jagdhund ist ein sensibler und ruhiger Charakter. Zuhause hat er sich das gemütliche Plätzchen auf der Couch ausgesucht oder liegt entspannt im Garten in der Sonne. Er weiß also, wie man es sich gut gehen lässt und ist eher ein entspannter Hund.
Im Haushalt lebt auch ein Kind, das er sehr mag. An der Leine läuft Giove schon ganz gut und möchte als Laufhund Bewegung und Outdoorerlebnisse haben. Sein Geruchssinn ist hervorragend.
Für Giove suchen wir Menschen, die nicht den makellosen Hund erwarten, sondern mit der Diagnose "Leishmaniose positiv" umgehen können und die sich nicht von völlig absurden Kommentaren verunsichern lassen, die in den „sozialen“ Medien zur Leishmaniose kursieren. Mit richtiger, individueller Behandlung, die im Übrigen auch kein Vermögen kostet (wie fälschlicherweise oft behauptet wird), hat auch ein Hund wie Giove gute Aussichten, ein langes, glückliches Hundeleben führen zu können.
31. Oktober 2024:
Giove hat sein Für-immer-Zuhause in Ginsheim gefunden und lebt dort an der Seite von Nilo, jetzt Wilbo, ebenfalls ein besonderer proTier Hund. Wilbo mussten bereits in jungen Jahren beide Augen entfernt werden und er hat sich trotz seiner Blindheit wunderbar ins Leben eingefügt. Er lebte zuvor mit einem älteren Rüden zusammen, der ihm Sicherheit und Orientierung gegeben hat. Als dieser Rüde verstarb, war der Familie schnell klar, dass Wilbo wieder einen Hundekameraden an seiner Seite braucht. Die Wahl fiel auf Giove, der mit seiner liebevollen und ruhigen Art perfekt zu Wilbo passt. Die Familie ließ sich dabei nicht von Gioves Diagnose Leishmaniose abschrecken, sondern entschied sich bewusst, ihm ein schönes und sicheres Zuhause zu geben. Giove und Wilbo verstehen sich hervorragend und ergänzen sich wunderbar. Ein tolles Happy End.